"Ich cha au mit Bilder predige" – seit de Sieger Köder, de schwäbisch Priester und Maler. Und wie er das cha, erläbed mer, wenn mer sini idrucksvoll Darstellig vo de Begägnig vo de Maria und de Elisabeth alueged. Mit nur zwei Farbe und wenige Pinselstrich leit er eus die Gschicht us, wo mer grad im Evangelium ghört händ.
I de untere Hälfti vom Bild – ganz i de Bruntön vo de Erde gmolt – ligged sich d' Elisabeth und d'Maria i de Arme. D'Elisabeth, die älteri und vom Läbe zeichneti Frau, chnüled vor de Maria, wo ihre liebevoll d'Hand uf d'Schultere leit.
Über de beide Fraue – i zarte Blautön is tüfe Blau vom Himmel inezeichnet – zwei Manne. Links über de Maria ihre Sohn Jesus, rächts über de Elisabeth ihre Sohn Johannes. Au die zwei sind enand zuegwändet: de Johannes luegt zu Jesus uf, und Jesus, de grösser vo beide, neigt sin Chopf, als ob er em Johannes zuelose wett.
D'Überraschig vo dem Bild liit für mich dodrin, dass de Johannes und de Je-sus nöd – wie uf villne ältere Bilder – als Chind im Muetterliib dargstellt sind, sondern als Erwachseni. De Johannes treit sis Gwand us Kamelhoor, hebed i de Hand e Taufschale und wiist mit em Finger uf Jesus hi.
"Ich cha au mit Bilder predige" – meint de Sieger Köder. Und tatsächlich seit sis Bild meh als villi Wort. Es loht z'erscht emol ahne: Es goht nur "vordergründig" um s'Zämeträffe vo de Maria und de Elisabeth. S'Entscheidende spillt sich im Hindergrund ab. Die i dezänte Farbe gmolti Szene stellt d'Taufi vo Jesus dar – und besser cha mer s'Aliege vom Lukas nöd zum Usdruck bringe: Es isch d'Läbesufgab vom Täufer, uf Jesus hiz'wiise. Und de Uftrag will de Lukas ihm soz'säge scho i d'Wiege legge, scho vor sinere Geburt mit uf sin Läbeswäg geh. De Johannes, wo im Muetterliib hüpft, isch de, wo sich buechstäblich "für Jesus abstramplet", wo anderi uf de ufmerksam macht, dem er de Wäg bereitet.
Mit sim hindergründige Bild dütet de Sieger Köder d'Begägnigsgschicht vo de Maria und de Elisabeth als Bekänntniserzählig: Jesus isch de Grösser, de Stärcher; de, wo nöd mit Wasser, sondern mit heiligem Geist tauft. Wenn d' Maria de Jesus über s'Gebirge zu de Elisabeth treit, wenn d'Elisabeth d'Ma-ria um Jesu wille selig priist, wenn s'Chind i ihrem Liib Freudesprüng vollfüehrt – denn isch das alles keis historischs Detailwüsse, sondern – ine fantasievolli Erzählig kleidet – es Glaubensbekänntnis zu Jesus Christus, wo zur Freud und zum Heil vo de Mänsche i d'Wält chunt.
Und das Bekänntnis, wo de Lukas wie inere Ouvertüre scho am Afang vo sim Evangelium, i de Begänig vo de Maria und de Elisabeth aklinge loht – das hed de Sieger Köder dur d'Farbkomposition und dur die beide Ebene vo sim Bild sichtbar gmacht.
Aber er goht no en Schritt wiiter: Er zeigt eus mit sim Bild au, was Begägnig im Sinn vo Jesus heisse chönt. I dene vier Persone uf em Bild entdeck ich jewils e Haltig, e Istellig zum Mitmänsch, wo de Botschaft vo Jesus entspricht und es glingends Zämeläbe ermöglichet: wertschätze – hälfe – hiwiise – lose.
Wertschätze – respäktvoll und mit Achtig uf anderi zuegoh; ihre Wert und ihri Würdi als Mänsch anerkänne; öpper lobe und sich a de Fähigkeite und de Talänt vo andere freue chöne: Die Istellig gseh ich i de Elisabeth verkörperet, wo d'Maria ehrfurchtsvoll begrüesst.
Hälfe – sich zu andere abebüge und sie stütze; sie tröste und ermuetige; ihne Nöchi und Geborgeheit vermittle: So düt ich d'Haltig vo de Maria, wo de Eli-sabeth beruhigend d'Hand uf d'Schultere leit und sie in Arm nimmt.
Hiwiise – de Blick uf de ander richte; vo sich sälber abgseh chöne; nöd sich sälber in Mittelpunkt stelle und nur uf die eigne Vorzüg verwiise, sondern uf s' Guete ufmerksam mache, wo dur anderi gschehd: die grosse, uf Jesus grichtete Auge vom Johannes und de Finger, wo uf Jesus zeigt, stelled eus die Haltig vor Auge.
Und schliesslich Lose – de andere Ghör schänke; sich interessiere für das, was sie eus mitteile wänd, für d'Gschichte, wo sie sich vo de Seel rede möch-ted, und für d'Aliege, wo sie eus vorträged: Die Bereitschaft, ganz Ohr z'si für de ander, gseh ich in Jesus, wo sich uf em Bild em Johannes zueneigt.
Wertschätze – hälfe – hiwiise – lose: zu dene vier Haltige ermunteret eus de Sieger Köder ohni es einzigs Wort. Mit wenige Strich molt er eus us, wie mänschlichi Begägnige heilsam und wohltuend si chönd.
"Ich cha au mit Bilder predige" – seit de Sieger Köder. Und mit sim Bild hed er eus e bsunderi Adväntspredigt ghalte. Er hed eus agregt, hinder de Be-gägnig vo de beide Frau scho Jesus Christus z'gseh, uf de Johannes de Täufer hiwiist, und dem sis Geburtsfäscht mer i wenige Täg fiired.
Und er hed eus zeigt, wie Jesus Christus tatsächlich i euses Läbe und i eusi Wält cho cha: Wenn mer i sim Sinn enand begägned…
Amen.